1942 Gründung

Kaum ein anderer Tag ist für die Geschichte und die Entwicklung des Jodlerklubs "Bärgblüemli" bedeutungsvoller und wichtiger als der 20. September 1942.
An jenem Sonntag vollzog sich im Restaurant Brückli in Schattdorf die Gründungsversammlung. Damit erfüllte sich wohl eine Gruppe begeisterter junger Männer einen Traum, der vermutlich schon seit längerer zeit in deren Herzen schlummerte. Der Tagespräsident der Versammlung, Karl Muther, konnte bereits eine stattliche Anzahl Jodlerfreunde begrüssen.
Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:
Präsident Karl Muther, Kassier Emil Kieliger, Aktuar Adolf Arnold, Beisitzer Walter Zanitti, Materialverwalter Gallus Dittli, Dirigent Willy Sandmeier, Revisoren Hermann Walker und Martin Immoos.

Schon an dieser Versammlung wurde das Thema Beitritt zum zentralschweizerischen Jodlerverband diskutiert, wobei sich die Anwesenden einstimmig zur baldigen Mitgliedschaft entschlossen. Im Jahre 1944 erfüllte sich dann der ersehnte Wunsch.
Eigene Statuten wurden vorläufig keine erstellt, man begnügte sich mit den Richtlinien und Bestimmungen des Eidgenössischen Jodlerverbands.
Bereits auf den 22. November des gleichen Jahres legten Vorstand und Mitglieder ein Datum für ihren ersten Unterhaltungsabend fest, um, wie sie es nannten, der noch schwachen Vereinskasse einen Zuschuss zu verschaffen. Mit Worten der Aufmunterung und des Dankes konnte der Präsident die Gründungsversammlung schliessen. Die Basis für ein erfolgreiches Bestehen war somit gelegt.

An der ersten Jahresversammlung 1943 nahmen bereits neun Jodlerkollegen teil. Die Jahresrechnung zeigte schon Mehreinnahmen von Fr. 71.50. Der erste Unterhaltungsabend vom November 1942 schien erfolgreich gewesen zu sein. Selbstverständlich lobte der Präsident Karl Muther die geleistete Arbeit, doch liess er nicht unerwähnt, dass der Probenbesuch noch zu wünschen übrig lasse. Für das Jahr 1943 beschlossen die Jodler vom "Bärgblüemli" als erstes, ihren Gönnern und Passivmitgliedern mit einem Ständchen an verschiedenen Orten im Dorf aufzuwarten.

Die Gründung des Jodlerklubs "Bärgblüemli" fiel mitten in die Jahre des zweiten Weltkrieges. 1942 wütete der Krieg in ganz Europa und bestimmte auch in der Schweiz unerbittlich das politische und wirtschaftliche Geschehen. Niemand wusste, wie sich die Lage entwickeln würde. Wieso eine Gründung in dieser Zeit?
Ausschlaggebend war in erster Linie sicher die Freude am Singen und Jützen. Aber es darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass der Eidgenössische Jodlerverband in seinen Grundsätzen die Liebe zum Vaterland propagiert. Der eidgenössische Jodlerverband bezweckt auch die Wahrung alter schweizerischer Eigenart und schweizerischen Volkstums und die Pflege und Förderung des nationalen Brauchtums wie das Jodeln, Alphornblasen und das Fahnenschwingen. Sahen die jungen Jodler diese Zielsetzung gefährdet? Gerade in dieser schwierigen Phase brauchte die Schweiz "Zuspruch". Die Liebe zum Brauchtum bedurfte auch einer ehrlichen Offenbarung dendund Demonstration. Mit dem neu gegründeten Klub konnten sie dies zweifellos tun.

Besonders deutlich bemerkbar machte sich die Kriegszeit im Protokoll der Generalversammlung des Jodlerklubs vom 28. Januar 1944. Dort schieb der Aktuar, Adolf Arnold, dass im kommenden Jahr tatkräftig das grosse Lied des Friedens angestimmt werden solle. Infolge der schwierigen politischen Lage und des Ausbleibens vieler Jodlerkameraden wegen Militärdienstes, konnte für das Jahr 1944 und 1945 kein Jahresprogramm aufgestellt werden. Die Schatten des Krieges liessen den Aktuar am Ende des GV-Protokolls 1945 einen Vers hinschreiben, der die Gefühle und die Stimmung wohl nicht besser hätte ausdrücken können:
"Immer froh erklingt des Jodlers Lied, trotz schwerer Zeit, trotz Not und Krieg. Wenn dereinst Kanonendonner wird verklingen, lasst uns das Lied des Friedens singen."

© 2017 Bruno Aschwanden